Aktueller Kommentar der "Neuen Aktion"

Kom ELD bull300519

BER: Jubelperser haben Konjunktur - sie verdrängen das mögliche Ende

Das Gequatsche über Meilensteine, Entlastungen von Fluglärm und Verkehrschaos geht weiter.

Alle Jahre wieder am BER, je dichter der jeweilig angekündigte - inzwischen der 8. (!) - Eröffnungstermin rückt, ertönt der immer gleiche Jubel, immer die fast wortgleiche Propaganda von Flughafengesellschaft und Politik: Wir haben alles im Griff, Schlusskurve, Einladungen und Catering sind vorbereitet, der Rote Teppich ist bereit zum ausrollen. Alles ist geprüft, die 10 000 Komparsen bestätigten die reibungslose Funktion zur Sicherstellung von Ab- und Anflug der Passagiere.
Weil nie das Ende kalkuliert, im Blick war, war jedes Mal der Absturz sicher.

Die Abnahme zur Betriebsgenehmigung ist reine Formsache, weil doch alle Anlagen und ihre Funktionsweise durch Gutachter bestätigt sind. Und dann folgt jedes Mal der Absturz, kurzfristig und nur Wochen vor dem hochgejubelten Inbetriebnahmetermin.

Jetzt, nach 8. Terminankündigungen, soll es angeblich anders werden. Der Oktober 2020 ist endgültig. Aber, die Hauptverantwortlichen, „Flughafenchef“ E. Lütke Daldrup (ELD; SPD), sein „immer dabei – nie da“ Bretschneider (SPD, aufgestiegen im Chaos zum Aufsichtsrats-Vorsitzenden) kommen aus dem Hinterhalt mit sybillinischen Hinweisen über noch vorhandene „Problemchen“, die natürlich keine Hindernis sind. Sie preisen einen BER, der durch die Regelung von Landegebühren ein leiser Flughafen wird.

Aufregung und Gerede gab es kürzlich um die „Dübelei“ zur Befestigung von hunderten km Kabeln. Umgehend wurde sie zu den angeblich kleineren Übeln verniedlicht mit Erklärungen und Antworten von ELD. Hierzu ein Zitat aus einer Fachzeitschrift (AERO)

"Der Flughafenchef betonte erneut, dass er wegen der Verwendung von noch nicht zugelassenen Dübeln bei Kabelbefestigungen keine Gefährdung des Eröffnungstermins befürchte. Diese Dübel seien zulässig gewesen, bis die zuständige Behörde die Vorschriften im vergangenen Sommer geändert habe, erläuterte Lütke-Daldrup. Daher müsse der Flughafen für die Dübel nun eine Einzelfallzulassung beantragen. "Ich gehe davon aus, dass wir von der Behörde dann einen Bescheid erhalten werden", sagte Lütke-Daldrup."

 Zu diesem Zitat kann man nur  kommentieren: Sein Inhalt ist gequirlte Büffelkacke. Technische Anlagen müssen zum Zeitpunkt des Einbaus dem Stand der Technik entsprechen. Bei besonderen Bauteilen, wie den Dübeln, brauchen sie eine Zulassung (Zertifizierung, mit Zertifizierungsnummern und Zertifizierungsdatum).

Damit sind diese eingebauten Einbauteile unbegrenzt zulässig. Spätere Änderungen der Vorschriften ändern daran nichts. Würde sich etwas ändern, wären wir  in Deutschland in allen Bauten permanent damit beschäftigt, die Änderungen der Normen und bestehenden Gebäuden zu berücksichtigen. Um alle Zweifel an der Zulassung der eingebauten Dübel auszuschließen, sollte ELD die Zertifizierung, die Zertifizierungsnummer und das Zertifizierungsdatum und das Datum des Einbaus der Dübel veröffentlichen. Weiter sollte ELD veröffentlichen, welche Zulassung, für welche Dübel, denn jetzt zu berücksichtigen sei und wo der der Unterschied zwischen alter Zulassung und neuer Zulassung liegt. Und für welche Zulassung von welchen Dübeln er nun „Einzelzulassungen“ beantragt/hat. Was soll da seine Aussage: „Ich gehe davon aus, dass wir von der Behörde (welcher?) dann Bescheid erhalten werden“. Jeder Jurist wertet diese Aussage als unbestimmt, im Klartext als nichtssagend.

Unvorstellbar aber realitätsnah heißt das, die Betriebsgenehmigung kann allein schon an „Dübelei“ scheitern.

Nichts ist genehmigt, wenn nicht alles genehmigt ist

Jubelnd verkündete ELD, die Entrauchungsanlage, einer der Gründe für die Verschiebung aller vorhergehenden Inbetriebnahmetermine, sei als eine Voraussetzung für den Betrieb jetzt als funktionsfähig abgenommen (ÜSV). „Das Monster ist final gezähmt“, so behauptet er. Was er verschweigt ist, dass diese Zähmung noch keinem Praxistest unterworden wurde, der Bestandteil der Wirkungsprüfung der Anforderungen an Funktion und Sicherheit der Gesamttechnik des Flughafens ist.

Zunächst darf man abwarten, ob das System z. B. ohne „Macken“ auch bei einer noch kommenden Realprüfung mit 10 000 und mehr Komparsen,  einer reibungslosen Tätigkeit von sicher 1500 Mitarbeitern und den für die Passagierankunft und den Abflug erforderlichen Flugzeugbewegungen funktioniert.

Als Merkposten für voreilige Jubler und Gläubige: Nichts ist genehmigt, wenn nicht alles genehmigt ist, was die Sicherheit erfordert und die Funktionsabläufe vom Check In bis zu Abflug am Gate oder der Ankunft als funktionsfähig abgenommen ist.

Weniger Lärm – so wird getäuscht und verdummt

Eine weitere Jubelmeldung behauptet, durch ein neues System von Start– Landegebühren werden die Fluggesellschaften lärmmindernd ab BER/TFX fliegen. Der BER hört genau hin, so die medialen Jubelperser. Zukünftig werden die Fluggesellschaften leisere Flugverfahren wählen, weil sie durch niedrige  Gebühren für Start– und Landeentgelte belohnt werden. Über neue Lärmmessstellen könne der BER ermitteln, wie dann in 11 Lärmklassen Gebühren als Belohnung oder Bestrafung festgelegt werden.

Zunächst, um der Wahrheit willen: Der Versuch, wie ELD behauptet eine Pionierarbeit, über Gebühren Lärmminderungen durchzusetzen, ist ein alter Hut, der schon wenig erfolgreich an zig anderen Flughäfen praktiziert wird. Die „Bestrafungsstaffel liege in Bereichen von 40€ bis 7500€ je Flugbewegung. ELD berichtet selber, dass für die Masse der Flugzeuge die Gebührenstruktur eine Bestrafung zwischen 40,00€ und 500,00€ anfällt. Man darf annehmen, dass alle Fluggesellschaften sich eher vor Lachen biegen als entrüstet zu sein, wenn sie für sogenannte lärmmindernde Fliegerei eine Belohnung zwischen 40€ bis 100€ erhalten.

Was ELD verschweigt und in der Berichterstattung nicht stattfindet, ist die Tatsache, dass sich der Fluglärm am BER nach Betriebsaufnahme perspektivisch verfünffachen wird. Die Wahrheit: statt alle 20 Minuten wird es bei über 400 000 Flugbewegungen/Jahr minütliche Überflüge über eine Region von 50km Ost/west und 35 km über Nord/Süd geben. Die ELD Behauptung von Fluglärmminderung ist eine zynische Täuschung, mehr nicht.

Und das noch: die Wege verkürzen sich

Mit der banalen Feststellung:Die gute und sichere Erreichbarkeit des Interims-Regierungsterminals ist uns genauso wichtig, wie der Zugang zu allen anderen Terminals. Der heute abgeschlossene Vertrag bringt handfeste Verbesserungen für die Fluggäste, die am Regierungsterminal starten und landen. Auch für viele Beschäftigte des Bundes, die hier später arbeiten werden, verkürzen sich die Wege“.

ELD feiert eine Selbstverständlichkeit die durch den Bau einer BER Privatstraße auf dem Flughafengelände erst die Erreichbarkeit des provisorischen Regierungsterminals möglich macht. Was ELD verschweigt ist die Tatsache, dass Regierungsgäste, der Bundespräsident, Regierungsmitglieder, Abgeordnete, bevor sie die Privatstraße zum Terminal befahren, erst mit „TaTüTata“ vom Kanzleramt, Reichstag oder den Ministerien über die B96, oder wie sonst, zu Ihrer Privatstraße kommen müssen. Die Wut, Stauopfer zu werden oder Stauverursacher, wird sie wie die normalen Passagiere, die zum BER wollen, gleichermaßen treffen.

Absehbar ist darum der Ruf nach Hubschrauberzubringung vom Regierungsviertel. Dieser wird spätestens dann kommen, wenn die Nutzer des Regierungsflughafens die Auswirkungen ihrer Standortfehlentscheidung am eigenen Leibe erfahren. Vielleicht gehört es aber auch schon zu ELD‘s Geheimplanung, das Regierungsprovisorium zum endgültigen Regierungsflughafen zu etablieren. Denn, eine Außerbetriebnahme des SXF (Schönefeld-Alt), dem Standort, an dem nach Planfeststellung der  offizielle Regierungsflughafen für 350 Mio. € gebaut werden soll, bedeutet den Verzicht auf einen Standort für ca. 12 Mio. Passagiere/Jahr. 2025 soll nach Propagandaaussagen, SXF für den Bau des Regierungsflughafens platt gemacht werden. Masterplan zum nicht planfestgestellten BER Ausbau auf 55 - 60 Mio. Passagiere hin oder her, es gibt 2025 keine BER Kapazitäten die 12 Mio. von SXF ersetzen.

Fazit

Nur der Gaube ist die Hoffnung auf einen Inbetriebnahmetermin 2020.
Nur der Glaube ist die Hoffnung auf einen Wirtschaftsmotor BER, der in Realität ein gigantisches Fehlplanungskonzept ohne Zukunft ist.

Nur der Glaube ist die Hoffnung auf die Umsetzung von „Masterplan – Malereien“, die ohne eine dritte Start- und Landebahn propagieren, was nicht umsetzbar ist.

NA

____________________________________________________



Aus gegebenen Anlaß wollen wir auf einen Kommentar aus dem Dezember 2012 !! verweisen, in dem bereits vorgerechnet wurde, daß der BER als Singleairport niemals die Passagierzahlen bewältigen kann, die bereits damals abzusehen waren. Jetzt tun alle Verantwortlichen "überrascht". Mehr Verlogenheit geht nicht. Tegel wird offenbleiben müssen, SFX ( Schönefeld -alt ) ebenso. Damit ist die gesamte BER-Planung grandios gescheitert - wie vorausgesagt.

Von Anfang an - bereits mit der völlig falschen Standortwahl - waren alle heute bekannten Probleme vorprogrammiert.
Dazu gesellte sich eine bunte Schar an hilf-und ahnungslosen Politikern, die während ihres "Wirkens" am BER sämtlich die Lage nur verschlimmerten, dafür aber niemals auch nur den Hauch einer Verantwortung bei sich sahen. Die ebenso zahlreich wechselnden Chefs am BER passten sich den jeweils ahnungslosen Politikern an - mit dem Unterschied das alle bisherigen Chefversager mit dicken Abfindungen das Weite suchten.

Hier nun der Kommentar aus dem
Dezember 2012

Gehen Sie bis zum Ende der Liste und rufen Sie das PDF-File "zu klein-zu teuer" auf